Vergeben, doch nicht vergessen

Seit den Sechziger Jahren entstanden auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers verschiedene religiöse Gedenkorte, die ich mir nun anschaue.

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Inmitten von Birken steht die Russisch-orthodoxe Kapelle am Übergang vom Häftlingslager zum Krematoriumsbereich. Sie wurde 1995 eingeweiht und gedenkt der sowjetischen Häftlinge, die in Dachau ums Leben kamen.

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Die evangelische Versöhnungskirche wurde von dem Architekten Helmut Striffler entworfen. Der Bau ist in den Untergrund der Gedenkstätte eingelassen und vermeidet bewusst den im Lager allgegenwärtigen rechten Winkel.

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Sowohl die Kirche als auch die anderen Kapellen und Gebetsstätten wurden auf Initiative der Überlebenden hin errichtet. Sie wünschten sich einen Ort, der nicht neue grauenvolle Bilder zeigt, sondern die Menschen ausatmen und zur Ruhe kommen lässt.

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Über die verwinkelten Treppen fällt mein Blick auf die 1960 errichtete katholische Todesangst Christi - Kapelle.

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Das in nördlicher Richtung gelegene Karmelitinnenkloster Heilig Blut Dachau ist ganz auf das ehemalige Konzentrationslager bezogen. Es wurde 1964 gegründet als ein lebendiges Zeichen der Hoffnung an diesem einstigen Ort des Grauens.

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Stille, Andacht, Schweigen - ich weiß nicht, wie lange ich in der Kapelle sitze und die roten Kerzen vor dem Altar betrachte.

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An die Vernichtung von Juden aus ganz Europa erinnert die 1967 eingeweihte jüdische Gedenkstätte mit ihrer schrägen Rampe, welche, gesäumt von stacheldrahtähnlichen Geländern, die Besucher in die Tiefe führt.

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Zentral in der Mittelachse der Lagerstraße steht die katholische Todesangst Christi - Kapelle. Sie entstand als erstes religiöses Denkmal auf dem Gelände.

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Über der aufgebrochenen Wand erscheint eine metallene Dornenkrone.

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Die Einweihung der Kapelle 1960 setzte ein wichtiges Zeichen für den Aufbau einer Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers.

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Ich laufe nun auf der Lagerstraße entlang. Es beginnt zu schneien, als ich das ehemalige Wirtschaftsgebäude erreiche. Hier befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte des Lagers. Vor dem Haus steht seit 1968 das Internationale Mahnmal mit einer Skulptur des Künstlers Nandor Glid. Pfähle, Gräben, Stacheldraht und darin verfangene menschliche Skelette erinnern an die Sicherungsanlagen des KZ und an die Menschen, die sich aus Verzweiflung in den Elektrozäunen das Leben nahmen.

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Ebenso erschütternd wirkt Hubertus von Pilgrims Figurengruppe "Todesmarsch - Mahnmal II", welche sich in der Ausstellung befindet.

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Nach vielen Stunden, die ich hier verbracht habe, verlasse ich die Gedenkstätte. Das eiserne Tor schließt sich hinter mir und irgendwie bin ich erleichtert, wieder auf der "anderen Seite" zu stehen. Wie viele Menschen haben diesen Ort nicht lebend verlassen können ...

"Wir wollen verzeihen, aber nicht vergessen."