Die unsichtbare Festung

Regen, seit Stunden nichts als Regen. Unaufhörlich prasseln die Tropfen an meine Fensterscheiben. Dennoch entschließe ich mich, ins Elbsandsteingebirge zu fahren, um der Festung Königstein meine Aufwartung zu machen. Schließlich ist sie eine der größten Bergfestungen in Europa. Durch den Nebel hindurch begebe ich mich auf den Weg.

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Vom Königstein indes fehlt jede Spur. Irgendwo da oben, hoch auf dem Berg - schemenhaft nehme ich einige Umrisse wahr. Ein steiler Pfad führt mitten durch den Wald hinauf.

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Und dann stehe ich vor dem ehemals einzigen Zugang zur Festung, blicke geradewegs auf die eisernen Spitzen des Sperrkamms, der auf den Mauerkronen sitzt und ungebetetene Gäste fernhält. Dies ist wirklich kein einladender Ort.

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Oben angekommen, schaue ich auf die wuchtige Georgenburg. Hier hat im 13. Jahrhundert alles begonnen mit einer mittelalterlichen Burg, die zum böhmischen Königreich gehörte. Später kam sie in den Besitz der Wettiner, der Regenten von Sachsen. Die Burg wurde zur Festung ausgebaut, ständig erweitert und immer wieder verstärkt. Sie war als militärische Anlage der Wächter über Grenzen und Elbe, der Zufluchtsort des Dresdner Hofes und seiner Schätze in Zeiten der Gefahr, Sachsens gefürchtetstes Staatsgefängnis, Kriegsgefangenenlager und Jugendwerkhof. Heute gehört die Festung dem Freistaat Sachsen und ist als Museumskomplex täglich zu besichtigen. Auch bei Regen.

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Von der Mauer herunter werfe ich einen Blick auf den Eingangsbereich. Mehrere Tore, Werke, Gräben und Rampen sind zu überwinden, bevor man überhaupt ins Innere der Festung gelangt. Hier war früher der einzige Zugang. Dieser besaß eine derart ausgeklügelte Verteidigung, dass Angreifer kaum in der Lage waren, ihr Ziel zu erreichen. Der Königstein wurde nur ein einziges Mal in seiner Geschichte erobert - in der Zeit, als er noch nicht zur Festung ausgebaut war.

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Zwischen Neuem Zeughaus und Pferdestall führt der Weg hinauf zum Augustusplatz, der 1815 zu Ehren des ersten sächsischen Königs Friedrich August, genannt der Gerechte, angelegt worden war. Gleich dahinter befinden sich die Garnisonskirche und das Proviantmagazin - die Magdalenenburg.

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Ich tauche kurz ab in den Felsenkeller unter der Magdalenenburg. August der Starken ließ seinerzeit hier unten zwei riesige Weinfässer aufstellen. Das größere fasste 238 000 Liter Wein bei einer Länge von 10 Metern und einer Höhe von 9 Metern. Auf dem Fass befand sich ein Tanzboden, auf dem 30 Tanzpaare Platz hatten. Leider existiert das riesenhafte Weinfass heute nicht mehr. Der Zahn der Zeit ...

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Der Keller wurde später zum Proviantmagazin umgebaut und es wurden jene bombensicheren Gewölbe eingezogen, die noch heute sein Erscheinungsbild prägen.

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Gleich nebenan befindet sich das Brunnenhaus, ein sehr schlichter Bau, der den mit über 152 Metern tiefsten Brunnen Sachsens beherbergt. Im 16. Jahrhundert wurde er von Freiberger und Marienberger Bergleuten innerhalb von sechs Jahren in Handarbeit abgeteuft, der Durchmesser des Schachtes beträgt 3,5 Meter. 400 Jahre lang sicherte der Brunnen der Besatzung des Königsteins das Trinkwasser.

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Ich begebe mich wieder ins Freie. Der Regen hat inzwischen nachgelassen, die Blumen in den zahlreichen kleinen Gärten der Festung leuchten in frischen Farben.