Altstädter Stille

Mein Weg führt mich nun von der Brühlschen Terrasse herunter, vorbei am Schloss auf den Theaterplatz mit der imposanten Gemäldegalerie und der festlich erleuchteten Semperoper. Wie ein goldener Schimmer fällt das Licht auf den Platz, der still und friedlich vor mir liegt. Nur einige Zäune erinnern noch daran, dass vor kurzer Zeit hier ein hochrangiges Ereignis stattfand – der dritte Semperopern-Ball. Nicht nur in der Oper, auch draußen auf dem Theaterplatz feierten und tanzten tausende Menschen durch eine rauschende Ballnacht.

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Während ich fotografiere, kommt ein junges Paar auf mich zu und bittet mich, ein Foto von ihnen zu machen. Dazu bin ich gern bereit. Es ist schön, die beiden so zusammen vor der Semperoper zu sehen. Ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute.

Vom Theaterplatz zieht es mich nun zum Zwingerteich, einer zauberhaften kleinen Parkanlage. Der Teich entstand aus dem ehemaligen Graben an der früheren Stadtbefestigung. Einsam im Dunkel liegt er vor mir. Stille. Ich lehne mich über das Geländer und betrachte die spiegelglatte, teilweise vereiste Oberfläche des Wassers. Das Licht der Straßenlaternen gegenüber spiegelt sich darin. Ein magischer Augenblick, der mich verzaubert und innehalten lässt. Ich liebe diesen Ort.

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Über einen Wall steige ich nun hinauf auf die Galerie des Zwingers.

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Noch ein kurzer Blick auf die Hofkirche und das hell beleuchtete Residenzschloss.

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Wieder umfängt mich Dunkelheit. Doch nicht lange – oben angelangt eröffnet sich mir der Blick in den Zwingerhof, jenen Festplatz, den August der Starke im 18. Jahrhundert auf Teilen der alten Stadtmauer bauen ließ. Fast mystisch wirken die Pavillons und Galerien im Halbdunkel der Nacht.

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Die schweren, tief hängenden Wolken beginnen nun, ihr Versprechen einzulösen – es fängt an zu regnen und hört so schnell nicht mehr auf. Immer wieder muss ich die Tropfen von der Kamera wischen. Ich stecke sie kurzerhand unter meine Jacke, während ich wieder über den Theaterplatz gehe. Der Regen wird stärker und stärker, Sturm kommt auf. Mein Schirm kapituliert vor solch geballter Naturgewalt. Ich bin völlig durchnässt und suche Schutz in einer Wandnische der Hofkirche.