Steinernes Meer...

Erneut beginnt der Tag bedeckt und regnerisch. Gerade richtig, um sich ans Meer zu begeben. Sie schauen mich fragend an? Ich besuche ein besonderes Meer. Eines, das nicht aus Wasser besteht, sondern aus Feuersteinen. Ein steinernes Meer.

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In der Nähe von Mukran laufe ich zunächst vier Kilometer durch den Wald. Gläsern und zerbrechlich wirken die zarten Gräser im Gegenlicht der Sonnenstrahlen, die durch die Bäume hindurch fallen.

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Schließlich öffnet sich der Wald und ich trete hinaus in eine Landschaft, die aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Kleine Inseln aus Bäumchen, Sträuchern und Heidekraut liegen wie zufällig dahin gestreut in einem Meer aus Feuersteinen.

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Ich lege mich flach auf den Bauch, quer über die Steine. Und habe plötzlich eine völlig neue Sichtweise. Ich könnte ein Frosch sein. Oder eine Ameise? Interessanter Gedanke. Wie mühevoll wird es für ein so winziges Geschöpf wohl sein, all diese Steine zu überwinden, die für das Tierchen wie ein riesiges, unüberwindliches Gebirge aussehen müssen?

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Ich habe noch nicht zu Ende gedacht, da sehe ich tatsächlich eine Ameise. Flink und leicht hüpft sie von einem Stein zum nächsten. Schneller als ich bis drei zählen kann - und viel zu schnell für ein Foto - hat sie die andere Seite der "Steinstraße" erreicht. So geht das also. Wenn auf meinem Weg wieder einmal Steine liegen, werde ich an diese Ameise denken.

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Dankbar für diesen Wink der Natur fällt mein Blick wieder auf die zierlichen Gräser, die überall hier zu finden sind. Aus meiner Froschperspektive - ich liege immer noch auf den Steinen - sehen sie aus wie kleine Bäumchen.

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Ich stehe nun auf und sehe mich ein wenig um. Wie entstand eigentlich diese einzigartige Landschaft? Auf einer Fläche von 40 Hektar liegen die Feuersteine in bis zu vier Meter dicken Schichten. Sie wurden vom Meer aus der Rügener Kreide herausgewaschen, sammelten sich am Meeresgrund. Vor etwa 3.500 bis 4.000 Jahren kam es zu einer Reihe schwerer Sturmfluten, welche die Steine an ihren heutigen Platz spülten. Wie gewaltig müssen diese Flutwellen gewesen sein, um die Feuersteine so hoch auf das Land zu werfen!

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Im 19. Jahrhundert wurde die so entstandene Heide bepflanzt und seit dem konnten sich Pflanzen und Tiere hier ungestört entwickeln. Seit 1935 sind die Feuersteinfelder Naturschutzgebiet.

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Zeit für mich, den Rückweg anzutreten, denn es geht mir wie den beiden Hummeln auf dem Brombeerstrauch - der Hunger meldet sich allmählich.

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Am Wegesrand entfalten zahlreiche Farne ihre Blätter.

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Sie begleiten mich auf dem gesamten Weg. Ich fühle mich fast in einen Urwald hinein versetzt, denn sie sind teilweise größer als ich. Es ist spät am Nachmittag, als ich den Wald verlasse. Und ich komme gerade rechtzeitig wieder in Göhren an, um die Ostsee glühen zu sehen ...