Über den Fluss

Als der Regen etwas nachlässt, wage ich es und laufe über die alte Augustusbrücke auf die Neustädter Seite. Menschenleer liegt die Straße vor mir. Das Licht der Laternen spiegelt sich auf den regennassen Pflastersteinen. Noch ein Blick zurück auf die beleuchtete Silhouette der Altstadt, dann habe ich die Elbe überquert. Ich verlasse die Brücke und laufe am Elbufer entlang zum Japanischen Palais.

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Die Parks und Gärten des Palais liegen verlassen im Dunkel der Nacht. Und ich rette mich vor dem wieder stärker werdenden Regen in den kleinen Glockenspielpavillon am Ufer des Flusses. Da stehe ich nun. Es ist vollkommen still, nur die Regentropfen trommeln auf das Dach des Pavillons. Etwas wehmütig erinnere ich mich zurück. Wie viel Zeit habe ich im vergangenen Sommer und Herbst hier verbracht, habe die Sonnenstrahlen ebenso genossen wie die warmen Nächte. Traumhaft schön ...

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Nun stehe ich hier, allein und durchnässt. - Aber halt, ich habe ja noch meine Kamera. Ich hole sie aus meiner Jacke, im Gegensatz zu mir ist sie trocken geblieben. Ich bringe sie in Stellung und richte sie auf das, was ich am anderen Elbufer sehe. Es ist die majestätische Silhouette der Altstadt mit all ihren prachtvollen Bauten, wie sie schon bekannte Maler fasziniert hat. Es ist der berühmte Blick, den Canaletto in seinem Gemälde festhielt (auch wenn ich nicht exakt an derselben Stelle stehe).

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Ich schaue mich um und mir fallen die Bäume im Hotelgarten des Bellevue ins Auge. Sie sind von unten beleuchtet – ein Anblick, der mich staunen lässt. Gespenstisch in diesem irren Licht recken sie ihre kahlen Äste in die Höhe.

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Nun gehe ich weiter, zwischen den großen alten Bäumen auf dem Hügel taucht das Japanische Palais aus dem Dunkel vor mir auf. Wie ein Geisterschloss steht es da - einsam, stumm und monumental. Mich führt mein Weg am Palais vorbei in die Königstraße, das Dresdner Barockviertel.