Der gefährliche Weg in die Freiheit

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Für mich wird es langsam Zeit, dem Königstein Lebewohl zu sagen. Ich kann das so einfach tun - den Gefangenen, die zu früheren Zeiten hier saßen, war das nicht vergönnt. Nur ein Einziger hat es geschafft, vom Königstein zu fliehen. General Henri Giraud verließ 1942 die Festung aber nicht über den Ausgang, den ich benutze, sondern er ließ sich von zwei Kameraden von der steilen Felswand in der Nähe der Königsnase abseilen. Mit der Eisenbahn, dem Auto und gefälschtem Pass gelang ihm die Flucht in die Schweiz.

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Ich dagegen passiere die Dunkle Appareille. Der Name des steilen, in den Felsen gehauenen und überwölbten Aufgangs erschließt sich sofort, wenn man ihn betritt. Es ist stockfinster. Mehrere Verteidigungsanlagen wie Pechnase, Steinschmeiße und Fallpalisade verhinderten, das Feinde sich hier Zutritt verschafften. Und eine Wagenwinde zog früher die Wagen nach oben, denn für Pferde war dieser Aufstieg zu steil.

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Licht am Ende des Tunnels.

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Ein Blick zurück in die dunkle, schwarze "Höhle des Bären".

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Dann passiere ich die Grabenschere und ein weiteres Tor, Medusentor genannt.

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In die Augen dieser sagenhaften Gestalt, die anstelle von Haaren lebendige Schlangen auf dem Kopf trägt, sollte man besser nicht schauen. Ihr Anblick soll jeden versteinern, der sie ansieht. Doch ich überlebe.

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Ein weiteres Torwerk lasse ich hinter mir, scharf ragen die metallenen Spitzen des Sturmigels in alle Richtungen. Mit Hilfe von Rädern konnte er vor das Tor geschoben werden.

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Nun stört kein Bauwerk, keine Mauer mehr die Sicht. Über die Pfeilschanze hinweg kann ich frei in die Landschaft schauen.

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Ein letzter Blick hoch zur Festung.

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Dann geht es im Regen zurück. Und der hat durchaus auch seine Reize, wie man sieht.

Antje König

Festung Königstein, Mai 2009